Digitalität fängt schon beim Lehrling an

 

Modellherstellung, individuelle Löffel & Bissschablonen – kein Problem mit 3-D-Druck!

Und wieder waren „Milling“ und „Printing“ das Hauptthema auf der diesjährigen IDS. Das zeigt, wie stark die Digitalisierung selbst bei Zahntechnikern Anwendung findet. Nicht nur große Labore mit 20 und mehr Mitarbeitern, sondern auch kleine Labore nutzen durchaus das Potenzial der digitalen Möglichkeiten. In unserem Labor sind wir zu dritt, und trotzdem oder eben gerade deswegen genießt die Digitalität einen besonderen Stellenwert bei uns.

Die Möglichkeit, Intraoralscans zu bearbeiten, öffnet uns neue Türen und fördert die Neukundengewinnung. Durch den Intraoralscan fällt die aufwendige Modellherstellung für uns Azubis weg. Im „Biss“- Programm, einer Software der Promadent UG, können wir die Daten bearbeiten, und gleichzeitig kann ein anderer Techniker im CAD-Programm die gewünschte Konstruktion erstellen.

Modellherstellung
Wir konvertieren die Scandaten ins „Biss“-Programm. Dank der einfachen und geführten Anleitung ist ein schnelles Erstellen eines druckbaren Modells für uns möglich. Mittels verschiedener Einstellungen können wir aus einer Scandatei ein Modell mit herausnehmbaren Stümpfen, herausnehmbarer Gingiva oder ein Implantatmodell erstellen. Mit diesem Tool können junge Kollegen frühzeitig hochwertige Modelle ohne Blasen und abgebrochene Zähne herstellen. Zusätzlich können die Modelle mit „Namen“ individualisiert werden. Nach dem Design wird das Modell ausgehöhlt. Das spart Material und somit auch Kosten beim 3-D-Druck. Der Vorteil beim gedruckten Modell ist das Material. Das ausgehärtete Modell ist leicht und abbruchsicher.

Löffel & Bissschablonenbasen
Nehmen wir zum Beispiel einen individuell angefertigten 3-D-Löffel: Dafür importieren wir die Modelldatei in das „Sheraeasy-base“-Programm.

01 Klassische Aufgaben eines Azubis? Eigentlich schon, oder?

TECHNIK

Ann-Sophie Benecke

Ann-Sophie Benecke

Seemann Zahntechnik GmbH & Co. KG

Holzmarktstraße 17
29410 Salzwedel
Fon +49 3901 3939820
Fax +49 3901 3939821
info@seemann-zahntechnik.de

02 Ausrichtung der Modelle zueinander

03 Modell in Draufsicht ohne Stümpfe

04 Ausgehöhlte Modellbasis mit Stumpflöchern

05 Erstellen von Stümpfen im Modell

07 Scandaten laden und Arbeitsschritte auswählen

08 Kiefermodelle in Okklusion ausrichten (automatisch oder benutzerdefiniert)

09 Ränder beschneiden, Konturlinie anzeichnen und maximale Ausdehnung des zu
erhaltenden Kieferkamms angeben

10 Ausrichten des Sockels: Dieser wird vorher in Bezug auf die gewählte Okklusionsebene
erstellt. Es gibt die Auswahl zwischen „schlichter Sockel“ und „KFO-Sockel“.

11 Jedes Modell kann individuell beschriftet werden. Außerdem können Größe und Ausrichtung angepasst werden. Die Schrift wird entweder versenkt oder aufgebaut.

12 Nach dem Freilegen der Stümpfe wird die Einschubrichtung festgelegt und die Präparationsgrenze angezeichnet. Dieser Arbeitsschritt sollte von einem erfahrenen Techniker kontrolliert werden.

13 Im letzten Schritt wird das Modell entweder ausgehöhlt oder im Vollen belassen. Nach dem Speichern sind die Datensätze erstellt und der Druck kann gestartet werden.

14 Fertiges gedrucktes Modell mit Steckstümpfen

 

Mit diesem benutzerfreundlichen Programm kann jeder Azubi (selbst die, die erst seit kurzer Zeit im Labor tätig sind) einen selbstdesignten Funktionslöffel erstellen. Dank der voreingestellten Parameter ergibt sich ein hochwertiger Löffel mit gleichbleibend hoher Qualität*. Nach dem „Printen“ ist die Ausarbeitungszeit für uns sehr viel geringer als bei einem manuell gefertigten Funktionslöffel. Hinzu kommt, dass einige manuell gefertigte Löffelherstellungsverfahren weitaus komplizierter sind. Einen Vorteil bietet das Programm mit der Möglichkeit, Namen in den Löffel einzugravieren. Wir konnten feststellen, dass der Patient sich mehr auf die Abdrucknahme einlässt, wenn er mitbekommt, dass sein eigener Name auf dem Löffel eingraviert ist und somit dieses Produkt nur für ihn selbst angefertigt wurde.

TIPP

* Form und Gestalt des individuellen
Löffels werden sowohl auf das Abformmaterial als auch auf das Abformverfahren abgestimmt. In der Software sind die Parameter dafür hinterlegt. Da jedes Material andere Eigenschaften besitzt, wie Fließverhalten oder Härte, werden die Abformlöffel automatisch an die unterschiedlichen Eigenschaften angepasst.

15 Gereinigter Löffel

16 Umbördelung des Löffels

17 Spaltfreier Sitz der Basis auf dem Modell

18 Basis einer Bissschablone

Funktionslöffel

mit der Sheraeasy-base

19 Arbeit anlegen und Auswahl der Abformart und des Materials.

20 Modell importieren

21 Einschub bestimmen

22 Kontur festlegen

23 Generierte Basis

24 Elemente wie Löffelgriffe und Stops hinzufügen

25 Lochbereiche einfügen

26 Gravuren einfügen und drucken

Bissschablonenbasis

mit der Sheraeasy-base

19 Arbeit anlegen und Auswahl der Abformart und des Materials.

27 Modell importieren

28 Einschub bestimmen

29 Kontur festlegen

30 Generierte Basis

31 Retentionsbereiche festlegen

32 Generierte Retention und drucken

Das gibt ihm das Gefühl, wertgeschätzt zu sein. Ein weiterer Vorteil ist die große Auswahl an unterschiedlichsten Löffelgriffen. Zusätzlich kann anstatt eines Griffs eine Haltevorrichtung für den Gesichtsbogen angefügt werden. Damit sind eine korrekte Bissregistrierung und eine gleichmäßige Abformung möglich.
Zusätzlich kann auch die Basis für die Bissschablone im Programm erstellt werden. Der 3-D-Druck erzielt einen besseren Halt der Bissbasen als das manuelle Verfahren.

Fazit
Auch wenn angesichts zunehmender Digitalisierung die Angst besteht, dass die „Handmade“-Zahntechnik durch „Milling“ und „Printing“ ersetzt wird, gibt es nennenswerte Vorteile. Es wird langfristig Material und Zeit eingespart, da beim Druckvorgang gleichzeitig an anderen Arbeiten weiter­gearbeitet werden kann. Dazu kommt, dass eine gleichbleibend hohe Qualität erzielbar ist, egal ob der Techniker oder Azubi einen guten oder schlechten Tag hat.

Für uns Auszubildende bietet das leichte und verständliche Programm eine wahre Freude beim Erstellen der jeweiligen Arbeiten. Dies führt dazu, dass man mehr Spaß an der Arbeit hat, was zu einem besseren Endergebnis der Arbeit führt. Wenn wir mal ehrlich sind, gibt es nichts Schlimmeres im Berufsalltag, als eine Arbeit zu wiederholen, egal aus welchen Gründen. Also in diesem Sinne: Bleibt interessiert und offen für Neues.

Danksagung
Hiermit möchte ich mich bei allen Beteiligten bedanken. Ein besonders großes Dankeschön geht an die Shera Werkstoff-Technologie GmbH & Co. KG.
Vielen Dank für die tolle Zusammenarbeit und die Möglichkeit des Besuchs im Unternehmen. Des Weiteren bin ich sehr dankbar für die Unterstützung bei der Anwendung der Modellsoftware von Promadent. Und zu guter Letzt danke ich meinem Chef und Ausbilder Rayk Seemann, ohne dessen Einverständnis es diesen Artikel nicht gäbe.