„Die Ausbildung zum Zahntechniker ist ein echter Spalter!“ Dieser Satz aus der Azubi-­Broschüre „Lehrgut“ von Komet Dental verdeutlicht die Emotionalität des Berufes, den ich seit zwei Jahren erlerne. Mein Name ist Abdullah Taraji und ich lebe in einem kleinen Ort zwischen Hamburg und Kiel. Noch vor wenigen Jahren war ich im Irak zu Hause und kam Ende 2015 nach Deutschland. Während eines Berufspraktikums in einer Zahnarztpraxis Anfang 2016 kam ich mit der Zahntechnik in
Berührung. Ich lernte Stefan Kloos vom Dentallabor Jung in Kaltenkirchen kennen und bewarb mich bei ihm um einen Ausbildungsplatz. Und er gab mir diese Chance! Vom allerersten Moment im Labor war ich fasziniert von der Vielfalt des Berufs. Die Verbindung von künstlerischer Tätigkeit, Materialkenntnissen und moderner Technologie hat mein Herz sofort höher schlagen lassen. Auch heute ­spüre ich es fast täglich – dieses Kribbeln im Bauch und die Begeisterung für alles Neue. Mir gefällt, wie wir mit einer Zahnersatzgestaltung Kreativität, Kunstfertigkeit und wissenschaftliches Know-how verbinden. Das ist aufregend und ich glaube, es gibt nur wenige Berufe, die dies vereinen.
Mein Ausbildungslabor bietet mir eine anspruchsvolle und gut strukturierte Lehre. Es bereitet viel Freude, in verschiedene Bereiche der Zahntechnik vorzudringen. Außerdem gibt es unendlich viele wissenschaftliche Themen zu entdecken. Diese Vielfalt möchte ich nutzen, denn hier liegen die Perspektiven für die Zukunft. Daher möchte ich meinen jungen Kollegen nahelegen, alle gebotenen Möglichkeiten ohne Angst zu ergreifen. Habt den Mut, Neues zu verfolgen, auch wenn es anstrengend ist oder Hürden im Weg stehen. Wie gelingt es, diese zu überwinden? Die Antwort ist einfach: indem man sich engagiert und am Ball bleibt. Werden euch Steine in den Weg gelegt, räumt sie weg. Habt ihr einen miesen Tag, ruft euch euer Ziel vor Augen. Glaubt an euch. Ja, ich weiß, das klingt lehrmeisterhaft und es ist manchmal nicht einfach, die Hürden zu überwinden. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Versucht es! Aufgeben ist keine Lösung, denn Schwierigkeiten holen uns ein. Die ­Erfahrung, die ich in meinem Leben bisher sammeln musste – die vielen schweren ­Momente, die ich als Kind im Krieg erlebt habe und die beschwer­liche Zeit meiner Flucht – sind mir nicht nur eine Last. Die negativen Geschichten haben mir Mut gegeben und haben mich gestärkt.

 

Und so ist es auch bei euch.

 

Schwierigkeiten, die man bewältigt, geben Kraft. Und diese Kraft werden wir brauchen, denn wir haben viel vor, liebe junge Kollegen. Die Zahntechnik der Zukunft liegt in unserer Hand. Lasst uns unseren Mut, unsere Motivation und unsere Interessen miteinander teilen. Legen wir für unsere Zahntechniker-Generation einen festen Grundstein, auf den wir aufbauen können. Engagement kann unerwartet Schönes bringen. Ich möchte euch ein Beispiel geben.
Mein Chef fragte mich, ob ich Interesse hätte, am KunstZahnWerk Lehrlings-Wettbewerb 2018 der Firma Candulor teilzunehmen. Meine Antwort: Ja. Ich habe mich also angemeldet, bekam die Materialien und hatte ein Ziel. Jetzt wurde es schwierig, denn ich brauchte unheimlich viel Wissen. Dieses Wissen habe ich mir aus Büchern, dem Internet oder direkt vom Chef geholt. Und ich habe jeden Arbeitsschritt fotografiert und die Bilder in einer Dokumentation verarbeitet. Ganz ehrlich?! Das war teilweise stressig, denn ich musste „nebenher“ meiner normalen Laborarbeit nachgehen. Oft habe ich mich abends hingesetzt und an der Wettbewerbsarbeit gearbeitet. Und ich war glücklich dabei! Denn ich wusste, dass ich etwas Wertvolles schaffe – für mich! Als mich Candulor dann informierte, dass ich den 1. Platz in der Kategorie „Print Dokumentation“ belegt habe und mit meiner praktischen Arbeit unter den „Top 3“ gelandet bin, war ich endlos überrascht über dieses Ergebnis.
Am 2. Juni sollte die Preisverleihung auf der Dental­messe in Bern stattfinden und hier lag nun „mein“ Stein im Weg. Ich konnte meinen Preis nicht persönlich entgegennehmen, da ich mit meinem Asylstatus nicht aus Deutschland ausreisen durfte. Aber ich habe gekämpft und versucht, den Stein wegzuräumen. Ergebnis: Es gab eine Live-Schaltung vom Messestand. Es war spannend und ich war richtig aufgeregt. Als meine Platzierung durch­gesagt ­wurde, konnte ich fast nicht mehr auf meinen Beinen stehen. Ich habe es geschafft – erster Platz in allen Kategorien! Das war ein Traummoment. Ich war überglücklich. Alle Kollegen, mein Chef, meine Familie und meine Freunde waren stolz auf ­meine Leistung. Und auch wenn ich nicht gewonnen hätte, allein die Teilnahme am Wettbewerb war sinnvoll und wertvoll.
Meine Botschaft, die ich euch mit dieser Geschichte mit auf den Weg geben möchte ist, euch lieben Kollegen zu sagen, dass ihr jede Möglichkeit nutzen müsst, denn es bringt euch große Schritte weiter. Bleibt motiviert und fragt nach Möglich­keiten. Nehmt Chancen wahr und zeigt euren Chefs, was für Talente ihr habt. Gebt niemals auf, denn am Ende verliert nur der, der sich keinen Schritt weiter­entwickelt.
Also, liebe Azubi-Kollegen: Setzt euch Ziele! Nutzt eure Ausbildungszeit und sammelt möglichst viel Wissen und Erfahrung. Denn die Zukunft, das sind wir!

Euer Abdullah

STREIFLICHT

Abdullah Al-Taraji

Abdullah Al-Taraji

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