Hygiene im Dentallabor – wichtiger denn je

 

Ein Beitrag von Karola Krell

Wir werden mit SARS-CoV-2 auch in Zukunft leben müssen, denn wie Dr. Dr. Markus Troeltzsch aus Ansbach treffend formulierte, gibt es ein Leben vor dem Corona-Virus, aber keines danach, sondern MIT! Weil das Virus neu ist, sind unsere Immunsysteme noch nicht vorbereitet und so stecken sich innerhalb kurzer Zeit sehr viele Menschen an. Die meisten Infektionen verlaufen zum Glück mild oder werden nicht bemerkt, circa 14 % erkranken schwer, davon benötigen circa 6 % eine Intensivbehandlung. Deshalb muss verhindert werden, dass sich zu viele Menschen gleichzeitig anstecken, sonst wären unsere Krankenhäuser rettungslos überfordert. Es läge dann in der Entscheidung der Ärztinnen und Ärzte, wer beatmet wird und wen man sterben lässt. Deshalb müssen wir Zeit gewinnen und unsere sozialen Kontakte minimieren, bis viele von uns Antikörper bilden konnten und mittelfristig im besten Fall Medikamente und Impfungen gegen Covid-19 zur Verfügung stehen. Als junge Menschen seid ihr nicht in dem Maße gefährdet wie die älteren, vor allem die mit Vorerkrankungen, doch haben wir alle miteinander eine Verantwortung.

Wie lange die momentan verordneten Kontakteinschränkungen noch dauern werden, ist noch nicht vorhersehbar, deshalb ist es nun grundsätzlich besonders wichtig, die Hygienemaßnahmen auch in den zahntechnischen Laboratorien zu überprüfen und anzupassen. Leider wurden vor dem Ausbruch der Pandemie in zu vielen Laboren Hygiene- und Arbeitssicherheitsvorschriften noch immer vernachlässigt, so dass es nun eine Chance sein kann, dieses Thema endlich mit dem gebotenen Ernst anzugehen.
Aus den Verhaltensregeln der BG ETEM (Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse), die für die gewerblichen Dentallaboratorien zuständig sind, hier für euch zusammengefasst das Wichtigste:
In den vorgeschriebenen betrieblichen Gefährdungsbeurteilungen müssen bezüglich des Virus die spezifischen Gefährdungen erfasst und geeignete Maßnahmen ergriffen werden. Beschäftigte müssen vor Ansteckung geschützt werden, auch um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Abstand schaffen: wie auch im öffentlichen Raum, also mindestens 1,5 Meter

  • die Arbeitsplätze sollten weit genug auseinander liegen
  • in den Pausen oder bei Teambesprechungen nicht zu nahe sitzen
  • Abstand auch beim Erklären und Zeigen von Arbeitsschritten beachten

Grundsätzliche Hygienemaßnahmen im Labor:

  • Jeden direkten Gesichtskontakt vermeiden zum Schutz vor Husten, Niesen und Ausatmung
  • Tragen von Mund-Nasenschutz empfehlenswert
  • Husten- und Niesetikette beachten: nur in die Armbeuge oder ins Taschentuch. Dieses sofort entsorgen, Hände sofort waschen und desinfizieren, besonders wenn in die Hand gehustet wurde
  • Kein Händeschütteln, Hände nicht ins Gesicht!
  • Oft Hände gründlich mit Seife waschen: mindestens 20 Sekunden und grundsätzlich vor dem Essen oder bevor ins Gesicht gefasst wird.
  • Regelmäßig lüften
  • Regelmäßige Laborreinigung, insbesondere der Sanitärräume
  • Regelmäßiges Reinigen von Türklinken und Handläufen
  • Genügend Seife und Handtuchspender müssen zur Verfügung gestellt werden
  • Auf Hautschutz achten: nach dem Händewaschen Hautschutz auftragen mindestens am Morgen gleich vor Arbeitsbeginn und nach der Mittagspause, abends Pflegeprodukt anwenden

Normalerweise sollte alles, was aus den Sprechzimmern bei uns im Labor landet, ordnungsgemäß desinfiziert sein. Auch hier passieren Fehler und so können zahnmedizinische Abformungen, zahntechnische Werkstücke und Hilfsmittel mit biologischen Arbeitsstoffen im Sinne der Biostoffverordnung kontaminiert sein. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat dazu die Informationsschrift 203-021 „Zahntechnische Laboratorien – Schutz vor Infektionsgefahren“ mit Empfehlungen erstellt, welche Anforderungen an eine sichere Desinfektion gestellt werden, insbesondere auch an die Desinfektion mikrobiell kontaminierter Materialien, um Infektionen zu vermeiden. Die Empfehlungen und Vorschriften sind anschaulich und gut erklärt, der kostenlose Download ist möglich unter hier aufgeführtem Link:

https://www.vdzi.net/coronavirus-informationen-fuer-zahntechnische-labore/accordion/cornonavirus-schutzmassnahmen-fuer-betriebe/informationsschrift-zu-schutzmassnahmen-im-dentallabor.html

https://medien.bgetem.de/medienportal/artikel/MjAzLTAyMQ–

SPECIAL

Karola Krell

Verband medizinischer Fachberufe e.V.

Referatsleitung Zahntechnik
Walchenseestr. 5b
86179 Augsburg
Fon +49 821 79624049
Fax +49 821 40896019
kkrell@vmf-online.de

Auf Anfrage des Verbandes Deutscher Zahntechniker Innungen (VDZI) bei der BG ETEM wurde versichert, dass die in der DGUV Broschüre empfohlenen Maßnahmen auch gegenüber SARS-CoV-2 Viren ausreichend sei. Der Umgang mit kontaminiertem Zahnersatz von an Covid-19 erkrankten Patienten erfordere am Desinfektionsplatz die gleichen Maßnahmen wie bei einer Patientenerkrankung durch zum Beispiel TBC.

  • Händedesinfektion: die eingesetzten Desinfektionsmittel sollten mindestens die nachgewiesene Wirksamkeit „begrenzt viruzid“ haben (VAH gelistet, siehe Kasten)
  • Auspacken von Lieferungen: flüssigkeitsdichte Schutzhandschuhe tragen. Das Material der Handschuhe muss mit den Desinfektionsmitteln kompatibel sein.
  • Verpackungen sofort desinfizieren oder entsorgen
  • Zahntechnische Werkstücke, Abdrücke, Hilfsmittel und Werkzeuge laut Reinigungsplan desinfizieren
  • Nach dem Auspacken die genutzte Arbeitsfläche wirksam desinfizieren (Wischdesinfektion)
  • Sprühdesinfektion wegen der gesundheitsschädlichen Aerosole vermeiden (nur mit Atemschutzmaske (FFP2-Maske), gut lüften!)
  • Wenn Tauchdesinfektion nicht möglich, auf Wischdesinfektion ausweichen
  • Bei Patienten im Labor oder Besuchen in der Praxis Mund-Nasen-Schutz und frische Handschuhe tragen, um andere zu schützen
  • Möglichst kontaktfreie Übergabe der Werkstücke durch Botenfahrer

Beim Schreiben dieses Artikels Anfang April wurden die meisten Zahntechniker/innen wegen der Corona-Krise gerade in Kurzarbeit geschickt oder entlassen. Wie es in den Betrieben weitergeht und wann, ist momentan nicht abzusehen. Sicher ist, dass diese Krise zu Ende geht. Denkbar ist, dass dann der Run auf die Labore losgeht, denn die Patientinnen und Patienten brauchen ihren Zahnersatz und die ebenfalls sehr gebeutelten Zahnarztpraxen den Umsatz. Wichtig ist, dass wir jetzt schon an die Zeit mit dem Virus denken und wie wir bestmöglich damit umgehen können. Wenn du dieses Heft in den Händen hältst, wissen wir alle schon ein bisschen mehr darüber.

 

Karola Krell

Referatsleitung Zahntechnik, Verband medizinischer Fachberufe e.V.