Praktikum im Ausland während der Ausbildung – geht das?

 

„Berufsbildung ohne Grenzen“ berät, unterstützt und organisiert

Die Welt wächst zusammen und die Berufsausbildung wächst mit! Über den Tellerrand hinausschauen, sich neue Fachkenntnisse aneignen, neue Kulturen entdecken und das erworbene Wissen direkt im Ausbildungsunternehmen anwenden können, so sieht internationale Weiterqualifizierung im Handwerk heute aus. Was Auszubildende dabei beachten müssen und welche Möglichkeiten es gibt, einen Teil der Ausbildung im Ausland zu absolvieren, erfahrt ihr in unserem Interview mit Ulrike Beck, Mobilitätsberaterin an der HWK Schwaben.

Wann ist der beste Zeitpunkt für einen Auslandsaufenthalt während der Ausbildung?
Ulrike Beck: Die Auszubildenden sollten bereits etwas Erfahrung in ihrem Beruf gesammelt haben, damit sie sich in ihrem Gastbetrieb im Ausland gut einbringen können. Daher bietet sich zum Beispiel die Zeit nach der Zwischenprüfung, also Ende des zweiten oder Anfang des dritten Lehrjahres, an. Viele unserer Teilnehmer wählen außerdem die Schulferien, um ihr Auslandspraktikum zu absolvieren, da sie dann nicht so viel vom Lernstoff verpassen. Anderenfalls muss der Schulstoff eigenständig nachgearbeitet werden.

Wie sollte man sich auf den Auslandsaufenthalt vorbereiten?
Wichtig ist, sich zuerst die Zustimmung des Betriebs und natürlich der Berufsschule (falls Unterrichtszeiten betroffen sind) einzuholen. Außerdem sollte man großzügig im Voraus planen, da in den meisten Fällen noch ein geeigneter Gastbetrieb im Ausland gefunden werden muss. Hier kann man sich gerne an die Mobilitätsberater der Kammern wenden. Gegebenenfalls auch Innungen oder Berufsschulen ansprechen! Und vielleicht hat sogar der eigene Betrieb Kontakte im Ausland, auf die man zurückgreifen kann. Zusätzlich gibt es auch die Möglichkeit, an Gruppenaustauschen teilzunehmen, welche zum Beispiel über Träger, Vereine oder Handwerkskammern organisiert werden.

Wie findet man das passende Förderprogramm und auf was muss der Azubi sonst noch achten?
Wir Mobilitätsberater informieren über Programme, die Auslandsaufenthalte finanziell fördern (zum Beispiel über Erasmus+). Wichtig ist auch, darauf zu achten, dass man während des Praktikums ausreichend versichert ist. Generell raten wir zum Abschluss einer zusätzlichen Kranken-, Unfall– und Haftpflichtversicherung. Auch eine Versicherung für Bearbeitungs- beziehungsweise Tätigkeitsschäden kann, je nach Berufsgruppe, sinnvoll sein. Teilweise werden bestimmte Versicherungen auch von der entsendenden Einrichtung übernommen. Hierzu sollte man sich aber immer im Voraus gut informieren. Zudem sollte die Berufsgenossenschaft über den Auslandsaufenthalt in Kenntnis gesetzt werden. Infoblätter und weitere Tipps für Azubis und Ausbildungsbetriebe gibt es übrigens auch auf unserer Homepage und direkt bei den Mobilitätsberatern.

Gesetzlicher Hintergrund: Bis zu ein Viertel der regulären Ausbildungszeit kann im Ausland absolviert werden, sofern der Auslandsaufenthalt dem Ausbildungsziel dient.

Beratung und Unterstützung bei der Organisation von Auslandsaufenthalten von Auszubildenden und Fachkräften bietet das Programm „Berufsbildung ohne Grenzen“. Das Mobilitätsberater-Netzwerk an den Handwerkskammern (HWK) und den Industrie- und Handelskammern (IHK) agiert bundesweit und hilft zum Beispiel bei der Abstimmung des Auslandspraktikums zwischen Betrieb, Berufsschule und Teilnehmer sowie bei der Suche nach geeigneten Förderprogrammen und Partnerunternehmen im Ausland.

Zitat: „Ein Auslandsaufenthalt ist eine Herausforderung, aber es lohnt sich! Mehr Selbstbewusstsein, neu erlernte Arbeitstechniken, bessere Fremdsprachenkenntnisse – das sind nur ein paar der positiven Nebeneffekte, von denen Auszubildende berichten, die ein Praktikum im Ausland absolviert haben.“ (Ulrike Beck, Mobilitätsberaterin HWK Schwaben)

Weitere Infos: www.berufsbildung-ohne-grenzen.de

ON FIRE

Ulrike Beck

Ulrike Beck

Mobilitätsberaterin

HWK Schwaben

Felix Bußmeier kommt aus Greven in Nordrhein-Westfalen und hat als Azubi im dritten Ausbildungsjahr an einem Auslandspraktikum teilgenommen.

Wann ist der beste Zeitpunkt für einen Auslandsaufenthalt während der Ausbildung?
Ulrike Beck: Die Auszubildenden sollten bereits etwas Erfahrung in ihrem Beruf gesammelt haben, damit sie sich in ihrem Gastbetrieb im Ausland gut einbringen können. Daher bietet sich zum Beispiel die Zeit nach der Zwischenprüfung, also Ende des zweiten oder Anfang des dritten Lehrjahres, an. Viele unserer Teilnehmer wählen außerdem die Schulferien, um ihr Auslandspraktikum zu absolvieren, da sie dann nicht so viel vom Lernstoff verpassen. Anderenfalls muss der Schulstoff eigenständig nachgearbeitet werden.

Wie sollte man sich auf den Auslandsaufenthalt vorbereiten?
Wichtig ist, sich zuerst die Zustimmung des Betriebs und natürlich der Berufsschule (falls Unterrichtszeiten betroffen sind) einzuholen. Außerdem sollte man großzügig im Voraus planen, da in den meisten Fällen noch ein geeigneter Gastbetrieb im Ausland gefunden werden muss. Hier kann man sich gerne an die Mobilitätsberater der Kammern wenden. Gegebenenfalls auch Innungen oder Berufsschulen ansprechen! Und vielleicht hat sogar der eigene Betrieb Kontakte im Ausland, auf die man zurückgreifen kann. Zusätzlich gibt es auch die Möglichkeit, an Gruppenaustauschen teilzunehmen, welche zum Beispiel über Träger, Vereine oder Handwerkskammern organisiert werden.

Wie findet man das passende Förderprogramm und auf was muss der Azubi sonst noch achten?
Wir Mobilitätsberater informieren über Programme, die Auslandsaufenthalte finanziell fördern (zum Beispiel über Erasmus+). Wichtig ist auch, darauf zu achten, dass man während des Praktikums ausreichend versichert ist. Generell raten wir zum Abschluss einer zusätzlichen Kranken-, Unfall– und Haftpflichtversicherung. Auch eine Versicherung für Bearbeitungs- beziehungsweise Tätigkeitsschäden kann, je nach Berufsgruppe, sinnvoll sein. Teilweise werden bestimmte Versicherungen auch von der entsendenden Einrichtung übernommen. Hierzu sollte man sich aber immer im Voraus gut informieren. Zudem sollte die Berufsgenossenschaft über den Auslandsaufenthalt in Kenntnis gesetzt werden. Infoblätter und weitere Tipps für Azubis und Ausbildungsbetriebe gibt es übrigens auch auf unserer Homepage und direkt bei den Mobilitätsberatern.

Wie bist du denn auf Österreich gekommen?
Felix: Ich wollte unbedingt in einen Betrieb, der sehr innovativ ist und mir ein großes Spektrum der Zahntechnik bieten kann. Über einen Kontakt bin ich an den Leiter der Zahnakademie, Ztm. Gerhard Nelwek, in Österreich, gelangt. Nach einem kurzen Austausch hat er mich dann an den Betrieb Pils Zahntechnik GmbH weitergeleitet. Der Kontakt mit Herrn Pils war sehr nett und unkompliziert, bereits nach zwei Tagen stand der Termin des Praktikumsbeginns fest.

Und wie ist das Praktikum dann gestartet?
Am ersten Tag wurde ich sehr freundlich von Herrn Pils in Empfang genommen und er zeigte mir seinen gesamten Betrieb und stellte mich jedem Mitarbeiter persönlich vor. Der erste Eindruck war überwältigend. Das Gebäude ist sehr groß und modern ausgestattet und die Ausstattung des Labors ist sehr umfangreich und auf dem neuesten Stand der Technik. Nach einer kurzen Einführung bekam ich meinen eigenen Arbeitsplatz und wurde direkt in den Arbeitsalltag integriert.

Wie war die Arbeitsatmosphäre und was hast du konkret gemacht? 
Das Team von Herrn Pils ist überaus freundlich und hilfsbereit, mir wurde alles ausführlich erklärt und für Fragen war jeder offen. Die Arbeitsatmosphäre war über die gesamte Zeit sehr harmonisch, humorvoll und familiär, auch wenn der Pinzgauer Dialekt am Anfang zu ein paar Verständigungsschwierigkeiten geführt hat. Ich bekam Patientenarbeiten zugeteilt wie Aufstellungen, Fertigstellungen, Reparaturen, Unterfütterungen, sowie das Konstruieren, Nesten und Fräsen von Gerüsten und das spätere Schichten von Keramik. Gemeinsam haben wir vor allem in den Bereichen Schwerpunkte gesetzt, die auch Gegenstand meiner anstehenden Gesellenprüfung sind. Es wurde viel Vertrauen und Verantwortung in mich gesetzt, was mir das Gefühl gab, ein Teil des Teams zu sein. Auch an der Feier des 20. Jubiläums des Unternehmens durfte ich als ein vollwertiges Mitglied des Teams mitwirken. Es wurden tolle Gespräche geführt und Kontakte geknüpft.

Wie lautet dein Fazit? Was hat´s dir letztendlich gebracht?
In meiner gesamten Zeit konnte ich viele Fachgespräche führen und viele Tipps und Tricks annehmen, was mich in meiner weiteren Ausbildung voranbringen wird. Die Zusatzqualifikation bringt nicht nur ein Zertifikat mit sich, sondern die Erfahrungen, die man durch das Praktikum erlangt, sind unersetzlich und erweitern den Horizont. Sie fördern nicht nur die zahntechnischen Fähigkeiten, sondern auch die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Man lernt andere Mentalitäten kennen und lernt, sich in einem anderen Land zurechtzufinden. In Österreich herrscht eine komplett andere Abrechnungsstruktur und eine dementsprechend andere Unternehmensstrategie ist die Folge. Das Team von Herrn Pils hat mich sehr unterstützt und ich hätte mir keinen besseren Praktikumsplatz vorstellen können.

Beratung und Unterstützung bei der Organisation von Auslandsaufenthalten von Auszubildenden und Fachkräften bietet das Programm „Berufsbildung ohne Grenzen“. Das Mobilitätsberater-Netzwerk an den Handwerkskammern (HWK) und den Industrie- und Handelskammern (IHK) agiert bundesweit und hilft zum Beispiel bei der Abstimmung des Auslandspraktikums zwischen Betrieb, Berufsschule und Teilnehmer sowie bei der Suche nach geeigneten Förderprogrammen und Partnerunternehmen im Ausland.

Zitat: „Ein Auslandsaufenthalt ist eine Herausforderung, aber es lohnt sich! Mehr Selbstbewusstsein, neu erlernte Arbeitstechniken, bessere Fremdsprachenkenntnisse – das sind nur ein paar der positiven Nebeneffekte, von denen Auszubildende berichten, die ein Praktikum im Ausland absolviert haben.“ (Ulrike Beck, Mobilitätsberaterin HWK Schwaben)

Weitere Infos: www.berufsbildung-ohne-grenzen.de

Gesetzlicher Hintergrund: Bis zu ein Viertel der regulären Ausbildungszeit kann im Ausland absolviert werden, sofern der Auslandsaufenthalt dem Ausbildungsziel dient.

ON FIRE

Felix Bußmeier

Felix Bußmeier